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Kirgisien 2013

„Ach übrigens da gibt es eine Kirgisien Exkursion im August. Sollen wir da mitgehen?“
„Warum nicht? Ich bin dabei“

So oder so ähnlich fing die Sache im Neckarmüller in Tübingen an. Ich wollte nach dem Studium eh mal wieder eine etwas größere Reise antreten und dank Kartierungsarbeit im Frühjahr war das finanziell auch drin. Es stand der Sache also nichts mehr im Wege und so buchten ich und eine befreundete Kommilitonin den Flug nach Kirgisien. Wir konnten sogar mit Pegasus Airlines ab Stuttgart fliegen. Der Flug ging nachmittags von Stuttgart nach Istanbul wo eine Zwischenlandung eingelegt wurde. Von da ging es direkt weiter nach Bishkek der Hauptstadt Kirgisiens. Der Flug von Stuttgart war sogar noch recht bequem. Im Anschlussflug brach man sich allerdings halb die Beine, da man wirklich keinen Platz hatte. Die Klimaanlage war auch defekt….
Wir kamen dann mitten in der Nacht um 4 Uhr in Zentralasien an und wurden dort von einigen schlecht gelaunten Beamten empfangen (Kein Wunder bei der Uhrzeit). Die Einreise war allerdings sehr unproblematisch. Ein Visum ist für Bürger der BRD bei einem Aufenthalt von bis zu 60 Tagen seit 2012 nicht mehr nötig. Dann schlenderten wir erst einmal zur Gepäckausgabe und schulterten unsere sicherlich 20 kg schweren Rucksäcke (plus 8 kg Fotorucksack) und verließen gleich das Flughafengebäude um auf dem Parkplatz auf unsere Abholung zu warten. Dort treffen wir dann auch gleich Rasmus, einen anderen Teilnehmer der Exkursion, der ebenfalls auf die Abholung wartete. Ein kleiner Sprinter sammelt uns auf und so beginnen die ersten Meter auf kirgisischem Boden. Nach einem Kilometer sehen wir schon den ersten größeren Unfall. Ein Wagen liegt quer auf der Straße….

Die ersten Meter auf kirgisischem Boden

Wir werden auf ein ehemaliges Sportgelände gebracht, wo ein großes Camp aufgebaut ist. Ein Großteil der Exkursionsgruppe ist schon dort und genießt das Frühstück. Wir laden unser Gepäck ab und setzen uns gleich dazu. Direkt nach dem Frühstück gibt es eine kleine Besprechung und dann brechen die jeweiligen Interessensgruppen zu ihren jeweiligen Exkursionen auf. Da die Exkursion aus vielen Studenten unterschiedlicher Fakultäten zusammengesetzt ist wird das auf der ganzen Exkursion so gehandhabt. Als Zoologe ist es klar wo ich dabei sein werde. Wir gehen direkt vom Camp in eine kleine Schlucht hinein. Unser lokaler Führer ist zwar anscheinend Ornithologe, aber es geht wohl mehr darum Strecke zu machen als richtig zu beobachten. Wir lassen uns davon nicht beirren. Das Spektiv und Fernglas ist zur Hand und suchen kann man selber. Es dauert keine paar Minuten, dann wird die erste Blauracke gesichtet. Wenn ich daran denke wie lange wir diesen Vogel in Ungarn gesucht haben, dann erstaunt einen das doch sehr. Es stellt sich aber schnell heraus, dass dieser Vogel hier noch in einer Abundanz auftritt von der man bei uns nur träumen kann. Wir folgen dem Weg ein Stück und schauen so viel durchs Glas wie es nur geht. Ein LKW zieht an uns vorbei allerdings würde jeder Fußgänger den Wagen überholen. Der Motor schreit nur noch nach Gnade was vom Fahrer stur ignoriert wird. Die russischen Maschinen sind eben nicht so leicht kaputt zu bekommen. Da wir ja schon seit längerer Zeit nicht mehr geschlafen haben geht der Tag für uns heute nicht so lange. Wir fallen tot müde ins Zelt und lassen die ersten Eindrücke erst einmal auf uns wirken.
Um 8 Uhr geht es heute, eigentlich zu sehr gemäßigten Zeiten los. Unser Wecker hat allerdings versagt, sodass wir von Slawa dem Exkursionsleiter geweckt werden. Mist….
Wir fahren in einem kleinen Konvoi in die Gegend westlich von Bishkek. Hier ist alles sehr flach und sehr staubig. In den kleinen Wagen ist es heiß und leider fahren wir an einigen interessant aussehenden Vögeln vorbei, sodass wir auch nicht so oft aussteigen können. Wir halten direkt vor einem Schwarm von sitzenden Schwarzmilanen. Da wir zu nahe dran sind fliegen die Vögel natürlich alle auf, sodass es in dem Schwarm unmöglich wird auf die Schnelle zu erkennen ob sich noch ein anderer Greif im Schwarm befindet. Wir fahren zu einem ausgetrockneten See, der noch sehr schlammig ist, sodass sich dort viele Limikolen tummeln. Hier bekommt man etwas Zeit sich genauer umzuschauen und es werden auch einige Vogelarten bestimmt. Wir fahren weiter an einen Stausee wo unser Führer eine kleine Vorlesung hält. Danach geht es zurück zum Camp, wo wir noch eine Nacht bleiben. Am nächsten Tag sehen wir was es heißt einen Treck mit 30 Exkursionsteilnehmern in Gang zu setzen. Wir haben zwei alte russische LKWs, eine Art Sprinter und einen kleinen geländegängigen Japaner. Eine ganze Crew versorgt die Truppe, sodass es immer eine Weile dauert den ganzen Konvoi in Bewegung zu setzen. Allerdings gibt es die Exkursion schon lange, sodass die Crew sehr eingespielt ist. Man kann sich trotzdem nützlich machen, sofern man das will.